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Digitalisierung als Motor für mehr Nachhaltigkeit

Runder Tisch "Nachhaltige Digitalisierung" des Umweltministeriums

Den digitalen Wandel zu steuern und voranzubringen, ist ein zentrales Anliegen der Landesregierung. Bis zum Sommer soll der Entwurf für eine Digitalisierungsstrategie digital@bw vorliegen. Um erste Vorschläge zu erarbeiten, wie der digitale Wandel auch nachhaltig gestaltet werden kann, veranstaltete das Umweltministerium mit einem Runden Tisch. Experten aus Verwaltung, Gesellschaft und Wirtschaft diskutierten Fragen der Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Dabei wird „Nachhaltige Digitalisierung“ als Querschnittsthema verstanden, das weit über den Umweltbereich hinaus alle Teile der Gesellschaft berührt. Der Runde Tisch diente als Auftakt für weitere themenspezifische Veranstaltungen und Arbeitsgruppen.

Der digitale Wandel ist längst eine gesellschaftliche Tatsache. Als Umweltministerium haben wir die Aufgabe, den Gedanken der Nachhaltigkeit im Digitalisierungsprozess zu verankern. Dabei sehen wir die Digitalisierung als eine Chance für Innovation und Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg, die wir mit und für die Menschen im Land nutzen müssen. Wir wollen die ökonomischen, sozialen und ökologischen Ziele der Nachhaltigkeit ausbalancieren und Baden-Württemberg zum weltweiten Marktführer bei intelligenten, ressourcensparenden und klimaschonenden Technologien machen. Digitalisierung wird uns helfen, Wachstum und Ressourcenverbrauch zu entkoppeln. Im Rahmen dieses landesweiten Strategieansatzes wird das Umweltministerium die Digitalisierung insbesondere als Hilfsmittel nutzen, um Ressourceneffizienz zu steigern, die Energiewende zu bewältigen, den Klimaschutz zu verbessern und die „Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE)“ zu gestalten.

Etwa 180 Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft, Verwaltung und Politik kamen am 15. März in die Sparkassenakademie in Stuttgart und diskutierten, wie die Digitalisierung zum Nachhaltigkeitsmotor für Baden-Württemberg werden kann. Besonders erfreulich: Die Veranstaltung fand bundesweit Anklang! Dies zeigt, wie groß das Interesse am Themenfeld ist und wie groß der Bedarf an Plattformen für den Austausch und zur Diskussion ist. Gleich mehrere Handlungsfelder wurden am Runden Tisch intensiv betrachtet: die Intelligenten Energiesysteme, Ressourceneffizienz durch Digitalisierung, Nachhaltige Digitalisierung in der Gesellschaft und die digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Den Rahmen boten hochkarätige Keynote-Referenten, eine Diskussionsrunde mit exklusiven Gästen sowie Workshops zu den thematischen Schwerpunkten.

Das Programm der Veranstaltung im Überblick

In einem Punkt waren sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einig: der Digitale Wandel muss gestaltet werden! Denn nur so lassen sich die Vorteile, die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die Chancen für den Klimaschutz und die gesellschaftlichen Auswirkungen miteinander in Einklang bringen.

In thematischen Workshops vertieften die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie Digitalisierung zu mehr Nachhaltigkeit führen kann. Etwa welche Maßnahmen der Digitalisierung sich zu einer Steigerung der Nachhaltigkeit eignen und wo Hemmnisse und Risiken bestehen, die der Gesetzgeber in Zukunft verstärkt adressieren sollte. Da der Workshop „Ressourceneffizienz durch Digitalisierung“ stark nachgefragt war, haben wir das Thema in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine beschäftigte sich mit dem digitalen Wandel in der Produktion, die andere mit Green IT. Ebenso wurde der Workshop „Auswirkung der Digitalisierung auf die Gesellschaft“ untergliedert: Eine Gruppe beschäftigte sich mit dem gesellschaftlichen Diskurs und die andere mit den gesellschaftlichen Auswirkungen der Digitalisierung und der Bürgerbeteiligung.

Auf der Grundlage verschiedener Thesen diskutierten die Teilnehmenden in den Workshops. Diese waren teils bewusst provokant formuliert, um zur Diskussion anzuregen. Die zentralen Ergebnisse der Workshops haben wir im Folgenden für Sie zusammengefasst:

Die Thesen 1 („Durch den zunehmenden Anteil der Erneuerbaren Energien wird die Energieerzeugung dezentraler und volatiler. Dies ist ohne Digitalisierung der Energiewirtschaft nicht zu bewältigen.“) und 2 („Dieser Prozess bildet zugleich die Grundlage für die Vernetzung mit anderen Sektoren und für intelligente Märkte mit einer Vielzahl neuer Geschäftsmodelle.“) stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops im Grunde nicht in Frage. Sie postulierten, dass die Energieerzeugung durch den zunehmenden Anteil der Erneuerbaren Energien dezentraler und volatiler werde und dieser Prozess zugleich die Grundlage für die Vernetzung mit anderen Sektoren und für intelligente Märkte mit einer Vielzahl neuer Geschäftsmodelle bilde. Stattdessen wurden auf der Grundlage der Thesen 1 und 2 eine Vielzahl allgemeiner Fragen zur Energiewende diskutiert, z. B. ob es eines Masterplanes für die Energiewende bedürfe, ob sich die Energiewende rechne und ob bei der Energiewende die sozialen Aspekte ausreichend berücksichtigt würden. 

Großen Raum nahm eine Debatte über die Rolle von Marktsignalen bei der Energiewende ein. Hier prallten kontroverse Auffassungen aufeinander, ob und in welchem Umfang bei der Ausrichtung der Energiewende übergreifende volkswirtschaftliche Kriterien zu berücksichtigen seien.

Im Zusammenhang mit These 1 regten die Teilnehmenden an, bei der Energiewende die Themen Energieeffizienz, Versorgungs¬sicherheit und Systemstabilität im Auge zu behalten, die Aufgaben von Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern besser aufeinander abzustimmen und regionale Flexibilitätsmärkte zuzulassen. 

Anhand der These 2 wurde im Zusammenhang mit dem Stichwort Geschäftsmodelle über regulatorische Hemmnisse diskutiert und auf das wichtige Thema Datensicherheit hingewiesen. 

Nachdem auch der These 3 („Der notwendige Wandel der Energiewirtschaft bedarf dabei der Unterstützung durch die Landesregierung. Die „Digitalisierung der Energiewirtschaft“ wird ein Schwerpunktthema der laufenden Legislaturperiode werden.“) nicht widersprochen wurde, wonach die Landesregierung den notwendigen Wandel der Energiewirtschaft unterstützen soll, bat der Moderator des Workshops um Vorschläge, wie eine solche Unterstützung aussehen könne. Hierzu schlugen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor:  

  • Flexibilitätsoptionen durch Entbürokratisierung zu erleichtern,
  • regulatorische Innovationen zu ermöglichen,
  • eine Netzentgeltstrukturreform umzusetzen,
  • generell das Abgaben- und Umlagensystem zu hinterfragen,
  • eine Diskussionsplattform zum Thema Digitalisierung zu fördern,
  • eine Know-How-Plattform für kleine Stadtwerke zu schaffen,
  • die Vorbildfunktion des Landes wahrzunehmen und Leuchtturmprojekte in Landesliegenschaften umzusetzen, z. B. in den Bereichen Smart Home und Blockchain (eine Art dezentrale Datenbank).



Die Digitalisierung führt auf der einen Seite zu Entwicklungen, die die Ressourceneffizienz befördern, auf der anderen Seite zu Entwicklungen, die der Ressourceneffizienz entgegenwirken. 

 

Digitalisierung führt zu: 

  • einer Beschleunigung von Vorgängen im Planungs‐, Produktions‐ und Logistikbereich
  • einer Zunahme der Komplexität in der Produktions‐, Konsum‐ und Kommunikationswelt
  • einer Steigerung der technischen und gesellschaftlichen Innovationen
  • einer Zunahme an Möglichkeiten (Produkteigenschaften, Dienstleistungen…) und damit auch an Produktangeboten
  • einer Steigerung der Spezifität der Kundenanforderungen
  • und infolgedessen auch zu einer Zunahme bzw. Verlagerung der Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen
  • einer ständig wachsenden Individualisierung von Konsumwünschen und Produkten
  • einer Verkürzung von Produktlebenszeiten (nicht wegen geringerer Haltbarkeit, sondern wegen schnellerer Produktinnovationen)

 Insgesamt muss davon ausgegangen werden, dass diese Entwicklungstrends mehr Ressourcen zur Erfüllung der Nachfrage erfordern. 

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Entwicklungen, ausgelöst durch die Digitalisierung, die den Ressourcenverbrauch senken werden: 

  • Die Produktion erfolgt näher am Kunden, ist stärker am Bedarf orientiert – mit der Folge von geringerem Lagerbestand und geringerer Überproduktion.
  • Product to Performance: Das Produkt wird weniger wichtig, der Nutzen des Produkts wird wichtiger.
  • Digitalisierung ermöglicht eine Transparenz der Nebenstoffströme und eine bessere Information über die Wertschöpfungskette hinweg. Dadurch wird die Wertschöpfungskette optimiert.
  • Wertschöpfungsverluste können durch die Digitalisierung besser bewertet werden und ineffiziente Produktion vermieden werden. 

Letztlich gilt es, diese Chancen der Digitalisierung für eine höhere Ressourceneffizienz zu nutzen, um den durch die Individualisierung der Produkte (Losgröße 1) entstehenden erhöhten Ressourcenverbrauch wieder aufzufangen. 

Interessante Handlungsfelder für Baden-Württemberg wären: 

1. MFCA 

  • Forcierung des Material Flow Cost Accountings (MFCA) als Tool für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) der produzierenden Wirtschaft: innerbetriebliche Umwelteffekte müssen verstärkt monetarisiert werden; Betriebliche Umweltinformationssysteme (BUIS) sollten verstärkt genutzt werden 
  • MFCA soll weiterentwickelt werden und als Steuerungsinstrument in Unternehmen implementiert werden (z. B. durch Integration in vorhandene Enterprise-Resource-Planning (ERP)‐Umgebungen) 
  • MFCA soll als Simulations- und Optimierungstool (auch über Benchmarks) nutzbar gemacht werden. 

2. Etablierung von Lernnetzwerken für Unternehmen: 

Um die Digitalisierung in Unternehmen im Hinblick auf verbesserte Ressourceneffizienz umzusetzen, braucht es Lernnetzwerke. Für die Implementierung brauchen insbesondere KMU Unterstützung. Die Mitarbeiter müssen eingebunden werden; zusätzlich ergeben sich aber auch neue Anforderungen an Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter.

3. Kreislaufwirtschaft 4.0:

Für eine echte Kreislaufwirtschaft müssen Produkte und deren Inhaltsstoffe/Bestandteile gekennzeichnet werden. Die Digitalisierung eröffnet hier vollkommen neue Möglichkeiten und verbesserte Informationslage für die Recyclingunternehmen.

4. Effiziente Produktion:

Hier sollten die Chancen der Digitalisierung genutzt werden, um die innerbetriebliche Material-/Energieeffizienz zu optimieren. Ziel ist ein „One-piece-flow“, bei dem es keine Rüstzeiten gibt und das Anfahren der Produktion verlustfrei erfolgt.
Durch ein digitales Abbild der Produktion können Optimierungspotenziale aufgedeckt werden. 

5. Wertschöpfungskette 4.0:

Die Digitalisierung und Individualisierung der Produktion führt zu einer immer stärkeren Modularisierung der Unternehmen, d. h. es gibt künftig immer mehr Schnittstellen zwischen den Unternehmen. Die Digitalisierung sollte genutzt werden, um Informationen in der Wertschöpfungskette zu transportieren. Die Recyclingfähigkeit von Produktion sollte bereits bei der Konstruktion berücksichtigt werden – Stichwort Ökodesign. Die Schnittstellen für Ressourceneffizienz und Industrie 4.0 müssen definiert werden. 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops Green IT kommen zu dem Fazit, dass der öffentliche Dienst aufgrund seiner Marktmacht bei einer nachhaltig gestalteten Digitalisierung die Rolle des „Frontrunners“ einnehmen muss. Er muss nachahmenswerte Leuchtturmprojekte erschaffen bzw. die Nachfrage nach entsprechenden nachhaltigen Produkten steuern.

Die erste der drei Thesen lautete: „Die Begrenzung des IT-bedingten Energie- und Ressourcenverbrauchs durch Green IT-Ansätze ist eine der Hauptaufgaben bei der Gestaltung der Digitalisierung.“ Dieser Aussage stimmten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu. Sie waren sich einig: Der stetig zunehmende Energiebedarf zentraler Rechenzentren muss sich vermindern. Eine Vorreiterrolle bei der Erprobung innovativer Maßnahmen kommt dabei aufgrund ihres enormen Energiebedarfs universitären High Performance Computing Zentren zu. Gleiches gilt auch für den Bereich der Büro-IT: Wenn der öffentliche Dienst in seinen Ausschreibungen Nachhaltigkeitsaspekte (z. B. Reparierbarkeit und Nachrüstbarkeit mittels modularen Geräteaufbau) stärker berücksichtigt, unterstützt er damit den noch sehr kleinen Markt für nachhaltige IT-Produkte. Langfristig werden so aufgrund von Skaleneffekten auch die Kosten des IT-Betriebs sinken.

Die zweite These besagte: „Der Energie- und Ressourceneinsatz für IT-Geräte als Kern der Digitalisierung übersteigt oftmals den gegenüber analogen Lösungen erzeugten Mehrwert“. Ausgangspunkt der Diskussion war also die Notwendigkeit, bisher analoge Prozesse zu digitalisieren. Digitalisierung als Selbstzweck führt zu steigenden Kosten ohne Mehrwert und verhindert so sinnvolle Digitalisierungsprojekte. Der Mehrwert von Digitalisierungsprojekten ist im Vorfeld jedoch oft nur schwer abzuschätzen. Vorteile wie Transparenz oder Durchgängigkeit können in der Regel monetär nicht bewertet werden. Hierzu geeignete Lösungsansätze zu erarbeiten, sahen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als eine der Hauptaufgaben für den Erfolg der Digitalisierung. Sie wiesen außerdem darauf hin, dass heutzutage sowohl Hardware als auch zunehmend Software schnell veralten und deshalb ersetzt werden müssen. Und dies wiederspricht unseren Nachhaltigkeitszielen. Dies sollte auch in den Ausschreibungen beachtet werden.

Die dritte These: „Gesundheitsrisiken werden durch die mit der Digitalisierung verbundenen Wertschöpfungsketten nicht reduziert, sondern lediglich in Entwicklungsländer verlagert.“ Dieses Themengebiet – so die Meinung der Teilnehmenden – ist bisher kaum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Produkte wie das Fairphone setzen sich nur langsam durch. Deshalb existieren gegenwärtig keine IT-Geräte am Markt, die ohne Kinderarbeit produziert werden. Aufgrund der großen Komplexität der Geräte oder schon einzelner Komponenten macht es wenig Sinn, entsprechende Beurteilungskriterien in Ausschreibungen aufzunehmen. Denn sie umfassen meist nur die Arbeitsbedingungen einzelner Produktionsschritte, nicht aber die gesamte Wertschöpfungskette mit meist mehreren hundert beteiligten Unternehmen.

Folgende Ergebnisse und Aussagen wurden aus den teils bewusst provokanten Thesen im Workshop „Digitalisierung und gesellschaftlicher Diskurs“ erzielt:

Der These „Digitalisierung fördert den gesellschaftlichen Zusammenhalt und macht das Leben leichter und nachhaltiger“ wiedersprachen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitgehend. Ihr Fazit: Digitalisierung verändert das gesellschaftliche Leben und muss daher aktiv gestaltet werden.

Um die konkreten Auswirkungen zu erkennen und Folgerungen daraus schließen zu können, wird eine Studie zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft vorgeschlagen. Ziel dieser Studie sollte es sein, dass aus den Schlussfolgerungen Digitalisierung im Sinne der Nachhaltigkeit gestaltet werden kann. 

Die zweite These „Digitalisierung ist nicht per se nachhaltig. Damit sie der Gesellschaft zugutekommt, ist es notwendig, sie zu gestalten.“ fand weitestgehend Zustimmung. Wichtig ist hier, welche Fähigkeiten und Finanzmittel für die Gestaltung notwendig sind. Dem weitergehenden Diskurs bedarf es hier einer Kampagne zur Sensibilisierung und Aufklärung und letztendlich der Vorgabe eines Rahmens, in dem gesteuert werden kann und soll.

Die Diskussion zur dritten These „Digitalisierung optimiert vorrangig ökonomische Prozesse. Muss Digitalisierung nachhaltig sein?“ führte zum Ergebnis, dass die Digitalisierung dem Menschen dienen soll und daher nachhaltig gestaltet werden muss. Aufklärung und Information ist hier ebenso bedeutsam wie aktive Maßnahmen zum Schutz des Menschen auf Selbstbestimmung. Hier ist der Gesetzgeber gefordert: Zum einen muss es zu internationalen Abkommen kommen und zum anderen müssen die Daten der Nutzer wo möglich im Land bleiben.

Zur ersten These „Die Bürgerinnen und Bürger sind gerne bereit ihre Daten frei verfügbar ins Netz zu stellen, damit zusätzlicher sozialer, ökonomischer und ökologischer Nutzen generiert werden kann“ fand sich kein genereller Zuspruch. Denn die Realität ist sehr heterogen, auch wenn Nutzer viele Profildaten (zum Beispiel bei Smartphones) bereits bereitwillig zur Verfügung stellen. Die Definition klarer (rechtlicher) Rahmenbedingungen/Leitplanken erscheint hierbei nötig – im Hinblick auf Transparenz, Datensparsamkeit und Datenschutz.

Die These „Digitale Innovationen haben das Potential bei Planungsprozessen die Akzeptanz für Entscheidungen zu erhöhen, da Argumente zeitnah offenliegen, verstanden und einbezogen werden.“ wurde ebenfalls intensiv diskutiert: Die These trifft nicht unbedingt zu, solange nicht Negatives bewältigt wird (Bsp. Lobbygruppen). Es können aber auch größere Zielgruppen erreicht werden. Man muss insgesamt aber mehr tun als bisher. Es besteht Bedarf an echten Moderationswerkzeugen, ebenso daran, dies konkret zu erforschen.

Die dritte These lautete: „Bürgerbeteiligung im digitalen Zeitalter bedeutet Präsenz der Verwaltung in den neuen Medien in Kombination mit „Face-to-Face Kommunikation“. Nach Ansicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist diese auf jeden Fall gewünscht, aber sie muss geeignet umgesetzt werden (z. B. durch ein Identitätsmanagement). Grundsätzlich müssen solche Dinge verstärkt aufgegriffen werden, bei denen Bürger auch gerne aktiv werden (Bsp. Thema Umweltschutz).

Darauf aufbauend lässt sich folgendes Ergebnis ableiten:

Die digitale Transformation ist heute schon Realität und weckt bei den Bürgerinnen und Bürgern sowohl Erwartungen als auch Befürchtungen. Die politische Strategie sollte deshalb vom Menschen für den Menschen in Baden-Württemberg gedacht und ausgestaltet werden. Die Politik steht insofern in der Pflicht,  

  • der fortschreitenden Digitalisierung einerseits Zügel anzulegen, damit Bürgerinnen und Bürger Herr ihrer Daten bleiben und anderseits 
  • dafür Sorge zu tragen, dass ökonomischer, sozialer und ökologischer Nutzen gefördert wird, der insbesondere den Menschen in Baden-Württemberg nachhaltige Vorteile bringt.

Dazu sind die Regelungen zur Stärkung der Persönlichkeitsrechte und des Datenschutzes so anzupassen, dass insgesamt Transparenz entsteht, missbräuchliche Nutzung für kommerzielle Zwecke konsequent unterbunden und die öffentliche Hand bei der Nutzung persönlicher Daten auf Datensparsamkeit achtet. Es ist die Aufgabe des Staates Regeln zu schaffen, die es ermöglichen, den positiven Nutzen von Daten nicht künstlich einzuschränken, aber Missbrauch auszuschließen.

Bürgerbeteiligung im digitalen Zeitalter bedeutet Präsenz der Verwaltung in den neuen Medien in Verbindung mit „Kommunikation von Angesicht zu Angesicht“. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, auf die Bedürfnisse der Bevölkerung Rücksicht zu nehmen. Dies bedeutet einerseits, dass Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet werden, anderseits aber generationengerechte Angebote die Bürgerinnen und Bürger „in ihrer gewohnten digitalen Welt“ abholen müssen. 

Um diese Herausforderung zu meistern, müssen digitale Prozesse entsprechend angelegt und die digitalen Kompetenzen der Beschäftigten in der Verwaltung geschult werden. Insgesamt bietet Digitalisierung in diesem Umfeld viele Möglichkeiten „Behördengänge“ zu vereinfachen, ohne aber das direkte, individuelle Gespräch ersetzen zu können. Digitalisierung bietet aber auch die Chance, dass Bürgerinnen und Bürger Verwaltungsprozesse aktiv unterstützen und für die Verwaltung vereinfachen, wie dies beispielsweise im ehrenamtlichen Naturschutz heute schon geschieht. Dazu können Bürgerinnen und Bürger als aktive Informations- und Datenbereitsteller in bereits existierende internetbasierte Umweltinformationssystemanwendungen eingebunden werden:

  • Nutzung von z. B. Crowd-Sourcing
  • Erhebung von Umweltinformationen, Messdaten durch Nutzer
  • bewusste Nutzung von Bewegungsdaten (z. B. über Nutzung von Trails im Nationalpark, Interaktion von Benutzern mit aktiven Elementen in der Umwelt, etc.)

Digitale Innovationen haben das Potential bei Planungsprozessen die Akzeptanz für Entscheidungen zu verbessern, wenn Argumente für und durch alle am Prozess Beteiligten zeitnah offengelegt werden. Gute technische Möglichkeiten zur Darstellung von Informationen sind 

  • einfache und intuitive realitätsnahe Darstellungen
  • für verschiedene Zielgruppen
  • auf verschiedenen Geräten und 
  • eine gute Moderation des Prozesses, durch den Fake-News, Desorientierungskampagnen und die Beeinflussung durch Lobbygruppen vermieden wird. 

Dazu sind noch geeignete Werkzeuge für eine effektive Moderation des Online-Prozesses zu entwickeln.

Für den Workshop „Digitale Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ waren im Vorfeld drei Thesen aufgestellt worden, die diskutiert werden sollten.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer teilten sich entsprechend der Thesen in drei Gruppen auf, so dass jede These über ca. 60 Minuten hinweg diskutiert werden konnte. Die Gruppen bearbeiteten jeweils drei Aufgabenfelder:

1) Verifizierung bzw. Verwerfung und Umformulierung der Thesen

2) nötige Voraussetzungen zur Umsetzung (anhand einer Mindmap):
a. Welche Institutionen und Einrichtungen sind zur Erreichung des Ziels nötig?
b. Welche Maßnahmen können bzw. müssen ergriffen werden?
c. Welche Inhalte müssen bedient werden?
d. Welche Hindernisse sind zu erwarten?

3) Priorisierung der Maßnahmen

Alle Thesen wurden mehr oder weniger stark modifiziert:

I. Auch durch Digitalisierung können unterschiedliche Zielgruppen (z. B. Jugendliche aus bildungsfernen Schichten) an das Thema BNE herangeführt und begleitet werden.
II. Die Digitalisierung vereinfacht den Zugang zu Themen der BNE und kann auf diese Weise den Bürgerinnen und Bürgern anschaulich begegnen!
III. In einer „digitalen Gesellschaft“ muss die Auseinandersetzung mit dem Bildungskonzept „BNE“ eine wichtige Rolle spielen, indem geeignete BNE-Themen digital, kompetenz- und zielgruppenorientiert aufbereitet werden.

Zusammengefasst waren folgende Aussagen für die Gruppen wichtig:

1. Vorhandenes nutzen und stärken 

  • Förderung der digitalen Kompetenz v. a. der Multiplikatorinnen und Multiplikatoren (hohe Priorität): Schulungen für vorhandene digitale Produkte, um diese umfassender als bislang nutzen zu können (z. B. Verwendung von Whiteboards, Smartphones im Unterricht, Internet)
  • Vorhandene Best-Practice-Beispiele sammeln (hohe Priorität): Nicht das Rad neu erfinden! Auch beachten: Was gibt es außerhalb Baden-Württembergs bzw. außerhalb Deutschlands bereits?)  s. auch (2) eigene Beispiele schaffen
  • Berücksichtigung von unterschiedlichen Voraussetzungen: Netzabdeckung, ältere Geräte, Software, schnelle „Halbwertszeit“ der Technik, unterschiedliches Wissen der Zielgruppen bzw. -personen  nicht nur auf eine Lösung setzen (z. B. QR-Codes)

2. Neues schaffen 

  • digitale Aufbereitung der Ziele von BNE (hohe Priorität)
  • eigene Beispiele schaffen (Pilot) und deren Maßnahmen und Wirkungen evaluieren (hohe Priorität)
  • Schaffung, dauerhafte Pflege und Bewerbung eines BNE-Portals, z. B. eines „geschützten Internets“ für Schulen etc., in dem inhaltlich qualifizierte und auf technische Sicherheit überprüfte Inhalte angeboten werden, und dass gleichzeitig eine Bündelung der vielfältigen (und damit nicht mehr überschaubaren) BNE-Angebote bietet. Ausführung evtl. als Lernportal des Landes.
  • (digitale) BNE muss Spaß machen und interessant sein:
    • verschiedene Spiele („serious games“, Simulationen, Geogames = ortsbezogene Spiele)
    • Dokumentationen (Fotos, Filme) und deren Verbreitung
  • Einbindung von virtual reality, augmented reality

3. Zusammenführen 

  • Partizipation/Zusammenarbeit (hohe Priorität) durch Einbindung von
    • Zielgruppen
    • IT-Fachleuten 
    • BNE-Fachleuten 
    • (d. h. Schulen, Hochschulen, Seminare, Erwachsenenbildung, Nicht-Regierungsorganisationen, Kirchen, Jugendverbände, außerschulische Lernorte, Unternehmen, Firmen …)
  • Verbindung virtueller und reeller Welten

Es bestand in allen Gruppen Einigkeit, dass für die Umsetzung von Piloten u. ä. entsprechende Ressourcen (Mittel und Personal) bereitstehen müssen, um einen mittel- und langfristigen Erfolg erwarten zu können.


Wie geht es nun weiter?

Die Ergebnisse des Runden Tisches werden wir zusammenfassen und über das Beteiligungsportal das Landes transparent bereitstellen. Dort können Sie direkt an der Ausgestaltung der digitalen Zukunft unseres Landes teilnehmen und sich informieren. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung und des Runden Tisches sind wesentliche Impulse für die nachhaltige Gestaltung der landesweiten Digitalisierungsstrategie und fließen direkt in diese ein. 
 
Entlang des Handlungsfeldes „Nachhaltige Digitalisierung“ werden in Zukunft Leuchtturmprojekte stehen, die den Nutzen sichtbar und erlebbar machen und aufzeigen, welche Chancen eine aktive Gestaltung des Digitalen Wandels den Menschen in Baden-Württemberg bietet. Das durch die Veranstaltung geschaffene Netzwerk, welches das Umweltministerium kontinuierlich weiter ausbauen wird, soll dabei ein wesentlicher Baustein zur Umsetzung von Maßnahmen in der Folge des Strategieprozesses sein.

Direkt zum Beteiligungsportal

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