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Indikatoren

Das Nachhaltigkeitsmessinstrument

Das Nachhaltigkeitsmessinstrument
Nachhaltigkeit soll zum zentralen Entscheidungskriterium der Landespolitik werden.

Die Landesregierung Baden-Württembergs hat es sich mit der neuen Nachhaltigkeitsstrategie zum Ziel gesetzt, Nachhaltigkeit zum zentralen Entscheidungskriterium ihrer Landespolitik zu machen. Nachhaltige Entwicklung im Land soll mit Hilfe von Nachhaltigkeitsindikatoren messbar und überprüfbar gemacht werden. Diese Nachhaltigkeitsindikatoren sind in einem Indikatorenbericht zusammengefasst, der künftig alle zwei Jahre erscheinen wird. Er erfasst den Status quo nachhaltiger Entwicklung im Land und ist eine Zustandsbeschreibung.

In einem mehrstufigen Prozess wurden Indikatoren identifiziert, die besonders geeignet sind, Nachhaltigkeit im Land zu messen – von ökologischer Tragfähigkeit bis hin zum guten Leben und sonstigen Rahmenbedingungen. Der Beirat der Landesregierung für nachhaltige Entwicklung hat die Landesregierung in diesem Prozess kritisch begleitet und kompetent unterstützt.

Mit Hilfe von jetzt 47 objektiven und 6 subjektiven Nachhaltigkeitsindikatoren überprüft die Landesregierung, wie es um die Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg bestellt ist. Anders als die politische Zielerreichung soll der Indikatorenbericht den Status quo nachhaltiger Entwicklung im Land erfassen, er ist eine Zustandsbeschreibung.

Nicht alle Indikatoren in diesem Bericht lassen sich ausschließlich durch die Landespolitik beeinflussen. Ein entsprechendes Beispiel hierfür sind die Treibhausgasemissionen. Auch wenn Baden-Württemberg alles daran setzt, den Klimawandel auf einem beherrschbaren Maß zu halten, hängt dies auch von der globalen Entwicklung ab.

Der Bericht enthält solche Indikatoren, die besondere Relevanz haben für die Messung von Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg. Auf Grundlage des Statusberichts 2014 wurden Indikatoren zur Entwicklung der Temperatur, zur Inklusion, zu Unternehmensinsolvenzen, zu Frauen in Führungspositionen sowie zur Teilnahme von Kindern an Vorsorgeuntersuchungen neu aufgenommen.

Insgesamt umfasst der Bericht 2016 jetzt 47 objektive und 6 subjektive Indikatoren. Diese sind den Themenfeldern „Ökologische Tragfähigkeit“, „Teilhabe und Gutes Leben“ sowie „Rahmenbedingungen und vermittelnde Faktoren“ zugeordnet. 

Es wurde darauf geachtet, dass die Indikatoren, soweit möglich, vergleichbar sind mit anderen Nachhaltigkeitsindikatoren, z.B. auf EU- und Bundesebene. Es war aber auch notwendig, die Besonderheiten Baden-Württembergs im Indikatorensatz zu berücksichtigen. 

Nicht alles, was nachhaltige Entwicklung bestimmt, ist jedoch auch messbar. Viele Faktoren sind nicht in Form von Indikatoren verfügbar. In den klassischen Nachhaltigkeitsberichten zum Beispiel bislang nicht enthalten ist die Wahrnehmung der Menschen zu Fragen nachhaltiger Entwicklung. 

Der Indikatorenbericht versucht hier eine neue Perspektive zu bieten. So sind Fragen zu den Einstellungen der Menschen im Land enthalten. Zwei von sechs Fragen beziehen sich auf die ökologische Tragfähigkeit: Sie fragen, ob die Menschen sich Sorgen machen um die Umwelt und den Schutz des Klimas. Vier Fragen sind im Bereich des guten Lebens angesiedelt. Sie stellen Fragen nach der Zufriedenheit der Menschen mit verschiedenen Bereichen in ihrem Leben. 

Zurückgegriffen wird bei diesen Fragen auf die Erhebungen des Soziooekonomischen Panels (SOEP). Das SOEP ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung, die seit 25 Jahren durchgeführt wird und in Baden-Württemberg jedes Jahr rund 2.500 Personen aus rund 1.400 Haushalten befragt.

Die Messung von Nachhaltigkeit ist darauf angewiesen, dass entsprechende Daten zur Verfügung stehen. Bei einigen Indikatoren wird kritisiert, dass die derzeit verfügbaren Daten nicht ausreichend geeignet sind, um den jeweiligen Aspekt von Nachhaltigkeit zu messen. Fachleute sind längst dabei, hier bessere Datensätze zu entwickeln. 

Ein Beispiel hierfür ist die Messung der ökologischen Qualität der Umwelt. In vielen Nachhaltigkeitsberichten werden hierzu Daten zu Naturschutzflächen herangezogen. In Kürze ist aber ein besser geeigneter Indikator auch für Baden-Württemberg verfügbar. Mithilfe des Brutvogelmonitorings kann künftig die ökologische Qualität der Umwelt dargestellt werden. Denn mit Hilfe der Bestandsentwicklung heimischer Brutvogelarten kann man Umweltveränderungen sehr genau messen. Bei einer späteren Fortschreibung kann der bisherige Indikator zu den Naturschutzflächen vielleicht durch einen besser geeigneten Indikator ersetzt werden. 

Es gibt aber auch Indikatoren, die zwar als sinnvoll erachtet werden zur Messung von Nachhaltigkeit, zu denen es aber bislang keine Datengrundlage gibt. Hier wird beständig geprüft, wie sich die Datenlage entwickelt. Möglicherweise können künftige Indikatorenberichte durch weitere sinnvolle Nachhaltigkeitsindikatoren ergänzt werden. 

Allerdings wird die Berichterstattung über den Zustand der nachhaltigen Entwicklung im Land immer aussagekräftiger, je größer der Zeitraum ist, in dem die Indikatoren gemessen und betrachtet werden können. Kommen neue Indikatoren hinzu oder werden alte durch neue, besser geeignete Indikatoren ersetzt, wird es schwieriger, solche Trends zu erkennen. Hier gilt es, sorgfältig abzuwägen, welche Indikatoren ersetzt werden oder neu hinzukommen sollen.