|  Kindergärten und -tagesstätten

Vogelschutz beginnt vor der Kita-Tür

Kindergarten und -tagesstätte

Städtische Kita „Pusteblume", Ludwigsburg

Die Hitzewellen brachten uns auf die Idee, uns damit zu beschäftigen, was Mensch und Tier bei diesem Wetter braucht. Wir stellten fest: Bei großer Hitze müssen Menschen und Vögel viel trinken. Gemeinsam lernten wir Vogelarten kennen, beobachteten sie und bauten eine Vogeltränke. Mit Wildkamera, Magnettafel und Strichlisten dokumentieren wir die Besuche und entdecken dabei die heimische Artenvielfalt.

Wir mussten Ferngläser für die Vogelbeobachtungstouren organisieren. Bestimmungsbücher, die App einrichten, die die Geräusche und Rufe der Vögel erkennt und nach verschiedenen passenden Liedern, Bastelideen geschaut. Ebenso mussten bereits Informationen zu den häufigsten Gartenvögeln rausgeschrieben werden und laminierte Bildkarten vorbereitet werden.

Die Kinder hatten die Möglichkeit, an mehreren Vogelbeobachtungstouren in der näheren Umgebung des Kindergartens teilzunehmen. Dabei erkundeten sie verschiedene Lebensräume wie den Wald, die Felder, die Weinberge sowie die umliegenden Straßen in der nahen Umgebung.

In den ersten Wochen, noch vor dem Bau der Vogeltränke, durfte außerdem jeden Tag ein Kind einen Vogel für den „Vogel des Tages“ ziehen. Anschließend wurde der ausgewählte Vogel gemeinsam besprochen und seine Rufe angehört.

Besonders spannend waren für die Kinder die Beobachtungen mit den Ferngläsern sowie das Fotografieren der entdeckten Vögel. Mit großer Begeisterung gingen sie dabei wie kleine Detektive vor: Sie lauschten aufmerksam den verschiedenen Vogelstimmen, versuchten herauszufinden, welcher Vogel zu hören war, und näherten sich anschließend vorsichtig dem Tier. So konnten die Kinder die Vögel direkt in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten. Dabei entdeckten sie teilweise ganz neue Vogelarten.

Durch das Projekt konnten wir unseren Garten vogel-freundlicher gestalten und dadurch die Lebensbedingungen für Vögel verbessern. 

Dies zeigt sich auch daran, dass inzwischen deutlich mehr Vogelstimmen in unserem Garten wahrzunehmen sind. Die monatlichen Auswertungen bestätigen diese Entwicklung. 

Gleichzeitig konnten wir den Kindern noch mehr gemeinsame Zeit in der Natur ermöglichen.

Die Kinder kennen inzwischen viele der häufigsten heimischen Vogelarten und können einige sogar anhand ihrer Rufe erkennen. 

Durch die gemeinsamen Beobachtungen sind sie aufmerksamer für ihre Umgebung und nehmen die Natur bewusster wahr. Sie entwickeln zunehmend Verantwortungsbewusstsein und Fürsorge für die Vögel. So achten sie selbstständig darauf, ob an der Vogeltränke neues Wasser oder Futter benötigt wird.

Die Eltern wurden für die heimische Vogelwelt und den Schutz von Vögeln sensibilisiert. Durch die Erlebnisse und Beobachtungen der Kinder konnten sie auch zu Hause angeregt werden, die Natur bewusster wahrzunehmen und sich mit dem Thema Vögel auseinanderzusetzen. Zudem erhielten sie Einblicke in die Aktivitäten und Entwicklungen des Projekts im Kindergarten.

Da die Anschaffung einer Natursteinschale aufgrund der hohen Kosten nicht möglich war, haben wir als Alternative einen großen Pflanzenuntersetzer verwendet. 

Auch die begrenzte Anzahl an Ferngläsern stellte zunächst eine Herausforderung dar. Durch das Ausleihen von Ferngläsern, die Unterstützung der Eltern und das Mitbringen eigener Geräte konnten wir dennoch gemeinsame Vogelbeobachtungen ermöglichen.

Unsere Idee ist auch für andere Kitas leicht umsetzbar, da die meisten Einrichtungen über einen Garten oder Außenbereich verfügen. 

Eine Vogeltränke lässt sich mit einfachen Mitteln und geringem Aufwand aufstellen. 

Auch Vogelbeobachtungen, das Bestimmen von Vogelstimmen und kleine Naturentdeckungen können ohne große Kosten in den Kita-Alltag integriert werden. 

Viele Materialien, wie Ferngläser oder Bestimmungsbücher, können ausgeliehen oder gemeinsam angeschafft werden.

Die Eltern wurden aktiv in das Projekt eingebunden. Sie unterstützten uns beim Zusägen und Bereitstellen der Baumstämme für die Vogeltränke und liehen uns Ferngläser für die gemeinsamen Beobachtungen aus. Außerdem konnten die Kinder, angeregt durch das Projekt, auch zu Hause und am Wochenende gemeinsam mit ihren Familien Vögel beobachten und ihre Erlebnisse mit in den Kindergarten bringen.

Die Projektidee kennen nur die Kinder, die Eltern und die Erzieherinnen und Erzieher der Einrichtung.

Das Projekt wird auch nach Abschluss der bisherigen Aktivitäten fortgeführt. Wir pflegen und reinigen weiterhin regelmäßig die Vogeltränke, füllen frisches Wasser nach und stellen den Vögeln geeignetes Futter bereit. 

Außerdem beobachten wir die Vögel bis zum Jahresende und dokumentieren monatlich die Anzahl der gesichteten Vögel. So können wir die Entwicklung weiterhin verfolgen.

Das Projekt wurde über einen längeren Zeitraum in den Kindergartenalltag integriert und konnte flexibel an die Interessen der Kinder angepasst werden. Besonders wichtig war uns, dass die Kinder selbst aktiv werden, beobachten, entdecken und Verantwortung übernehmen konnten. Durch die regelmäßigen Beobachtungen entstand ein nachhaltiges Interesse an der heimischen Vogelwelt, das auch über einzelne Aktionen hinaus im Alltag weitergeführt wird.


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