Unternehmen machen Klimaschutz
In 7 Schritten zu aussagekräftigen Daten für Nachhaltigkeit und Klimaschutz
Rechtsrahmen wie CSRD, CSDDD oder die EUDR verlangen transparente, verlässliche und umfassende Daten über ökologische und soziale Auswirkungen. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Kundschaft: Immer mehr Unternehmen müssen Nachhaltigkeitsinformationen bereitstellen, um entlang ihrer Lieferketten glaubwürdig und wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber auch ein freiwilliger Nachhaltigkeitsbericht (z. B. Klimawin BW, VSME, GRI) will auf soliden Daten basieren.
Daten bilden die Grundlage für interne strategische Ziele. Wer sein Klimaschutz‑ und Nachhaltigkeitsengagement weiterentwickeln möchte, benötigt eine Informationsbasis, um Fortschritte messbar zu machen, Maßnahmen gezielt auszurichten und Effizienzpotenziale zu heben. Solide Daten decken Optimierungsmöglichkeiten auf und unterstützen dabei, Ressourcen sparsamer und wirksamer einzusetzen.
„In 7 Schritten zu aussagekräftigen Daten für Nachhaltigkeit und Klimaschutz“ beantwortet zwei wesentliche Fragen:
- Wie gelingen das Sammeln und Beschaffen von Daten?
- Welche Herausforderungen kann es geben und wie können sie überwunden werden?
Am Anfang jeder Datenbeschaffung steht der Anlass, der dafür sorgt, dass Daten beschafft werden müssen. Unabhängig davon, ob es regulatorische Anforderungen, die Erwartungen der Kundschaft oder eine freiwillige Motivation ist, lohnt es sich, den Anlass genauer in den Blick zu nehmen und in den Zusammenhang zum eigenen Unternehmen zu setzen.

Klimawin BW
Sie wollen (oder sollen) einen Klimawin BW-Bericht erstellen. Bevor Sie sich mit den Vorgaben der Klimawin BW vertraut machen, finden Sie heraus, was der Anlass Ihres Unternehmens ist, einen Klimawin BW-Bericht zu erstellen. Haben Sie schon den Rückhalt der Unternehmensführung? Was sind Ihre Vorteile eines Klimawin BW-Berichts?
EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR)
Immer wieder werden neue Verordnung der Europäischen Union und des Bundes für Unternehmen erlassen. Mit Newslettern von Kammern oder Verbänden bleiben Sie auf dem Laufenden. Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen von der neuen Verordnungen betroffen ist. Die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Produkte (EUDR) betrifft zum Beispiel nur Unternehmen, die bestimmte Rohstoffe (zum Beispiel Holz oder Kakao) beziehungsweise daraus hergestellte Produkte auf dem EU-Markt in Verkehr bringen. Darüber hinaus wurde die Verordnung schon mehrfach verschoben oder geändert. Suchen Sie sich einen für Sie praktikablen Weg, um auf dem Laufenden zu bleiben, zum Beispiel durch Online-Seminare oder durch vierteljährliche eigene Recherche.
Für fast alle Anlässe, die zur Nachhaltigkeitsberichterstattung führen, gibt es konkrete Rahmenwerke und Anforderungen. Sie beschreiben, welche Daten konkret benötigt werden, in welcher Form die Daten vorliegen müssen und ob sie notwendig oder optional sind.

Klimawin BW
Für die Klimawin BW gibt es klare Vorgaben. Auf der Internetseite der Klimaschutzstrategie “Unternehmen machen Klimaschutz” finden Sie die Anforderungen sowie Berichte anderer Unternehmen, die Ihnen als Beispiel dienen können. Machen Sie sich mit den Vorgaben vertraut und nutzen Sie die Möglichkeit, dem Team der Klimawin BW Fragen zu stellen. Beginnen Sie mit der Auswahl Ihrer Schwerpunktleitsätze. Prüfen Sie, welche Daten Sie hierfür benötigen, beziehungsweise welche Daten Ihnen schon vorliegen und welche Sie noch erheben müssen.
Digitaler Produktpass (DPP)
Ähnlich wie bei EUDR sind auch vom Digitalen Produktpass (DPP) nur bestimmte Produkte und Unternehmen betroffen. Haben Sie festgestellt, dass Ihr Unternehmen Inverkehrbringer eines relevanten Produktes ist, sollten Sie sich frühzeitig mit den Details der EU-Ökodesign-Verordnung befassen. Andernfalls riskieren Sie, Ihre Produkte nicht mehr auf dem EU-Markt anbieten zu können. Welche Produkte Ihres Unternehmens sind konkret betroffen? Welche Informationen müssen Sie ab wann bereitstellen?
Daten mit Bezug zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit werden an unterschiedlichen Stellen im Unternehmen erhoben und gesammelt. Um an die Daten zu kommen, ist es wichtig zu wissen, in welcher Abteilung sie erhoben werden und welche Kollegin oder welcher Kollege dafür zuständig ist.
Für die jährliche Berichterstattung oder sich wiederholende Anfragen kann es von Vorteil sein, ein Kernteam zu gründen. Im Kernteam sind die Abteilungen vertreten, bei denen besonders viele Daten zusammenlaufen, zum Beispiel das Controlling, die Personalabteilung, der Einkauf oder die IT.

Klimawin BW
Für den Klimawin BW-Bericht brauchen Sie für 12 Leitsätze in drei Kategorien (Umwelt & Klima, Soziale Verantwortung, Ökonomischer Erfolg & Governance) qualitative und quantitative Daten. Sie werden vermutlich Kontakt zum Controlling, zur Personalabteilung und zum Einkauf brauchen. Die meisten Daten werden in Ihrem Unternehmen bereits vorliegen. Suchen Sie den direkten Kontakt zu den zuständigen Personen im Unternehmen und erläutern Sie im persönlichen Gespräch Ihr Anliegen. Umso konkreter Ihre Anfrage ist und umso geringer der Aufwand für Ihre Kollegin oder Ihren Kollegen ist, umso wahrscheinlicher ist es, dass Sie zeitnah die angefragten Daten bekommen.
Klimarisikoanalyse
Sollten Sie sich als Unternehmen entschieden haben, eine Klimarisikoanalyse zu erstellen, formieren Sie ein Kernteam mit mindestens folgenden Rollen: Supply‑Chain-Management, betrieblichem Gesundheitsmanagement, Controlling und Nachhaltigkeitsbeauftragten. Punktuell werden Sie Daten von weiteren Beteiligten, zum Beispiel von Standortleitungen brauchen. Stellen Sie frühzeitig den Kontakt her und informieren Sie diese Personen über das Vorhaben.
Für das Sammeln der Daten braucht es eine zentrale Stelle. Das kann eine firmenweit genutzte Software oder eine Excel-Tabelle sein. Wichtig ist, dass alle Daten an einem Ort zusammengeführt werden können. Wenn alle angefragten Kolleginnen und Kollegen selbst Zugriff auf den zentralen Ort haben und ihre Daten direkt dort ablegen können, wird der Prozess noch effizienter. Beim Anlegen der Sammelstelle lohnt es sich gegebenenfalls, die Datenerhebung sowie die spätere Auswertung bereits mitzudenken. Es kann von Vorteil sein, ein etabliertes System beizubehalten, um die Hemmschwelle für Kolleginnen und Kollegen niedrig zu halten. Gleichzeitig kann die Nutzung einer neuen, spezialisierten Software die spätere Auswertung vereinfachen.
Wichtig: Dokumentieren Sie die Datenquellen und Ihr Vorgehen, sodass Sie bei einer erneuten Anfrage (oder Ihre Nachfolgerin/Ihr Nachfolger) den Prozess wiederholen können.

Klimawin BW
Für das Sammeln der Daten für den Klimawin BW-Bericht sollten Sie ein zentrales Dokument anlegen, zum Beispiel eine Excel-Tabelle. Strukturieren Sie die Excel-Tabelle anhand der 12 Leitsätze. Ordnen Sie jedem Leitsatz zwei bis drei quantitative und qualitative Indikatoren zu. Markieren Sie die zuständige Kollegin beziehungsweise den zuständigen Kollegen in der entsprechenden Zelle und versenden Sie die Tabelle mit der Bitte, die Daten direkt dort einzutragen.
Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD)
Für das Erstellen eines CSRD-Berichts legen sich viele Unternehmen eine spezielle Software zu. Stellen auch Sie fest, dass Sie kein etabliertes und praktikables System für den CSRD-Bericht haben, definieren Sie die konkreten Anforderungen an die Software und testen Sie verschiedene Angebote.
Die vielleicht größte Herausforderung beim Beschaffen der Daten ist die Kommunikation mit den Kolleginnen und Kollegen, die den direkten Zugang zu den Daten haben. Verschiedene Gründe können dazu führen, dass sie nur zeitverzögert oder gar nicht reagieren oder Daten nur unvollständig übermittelt werden. Folgende Punkte können zu einer gelingenden Kommunikation und schnellen Datenzulieferung beitragen.

Klimawin BW
Für die Klimawin BW brauchen Sie Daten aus verschiedenen Abteilungen Ihres Unternehmens. Beziehen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen bereits zu Beginn des Prozesses ein. Erläutern Sie, was ein Klimawin BW-Bericht ist, welche Vorteile er für das Unternehmen bringt, wer den Bericht innerhalb Ihres Unternehmens bereits unterstützt und welche Relevanz der Bericht für die entsprechende Kollegin beziehungsweise den entsprechenden Kollegen hat. Falls es möglich ist, bevorzugen Sie ein persönliches Gespräch.
Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD)
Für das Erfüllen der Lieferkettenverordnung CSDDD brauchen Sie Daten von Ihren Zulieferern. Stellen Sie sicher, dass Sie eine konkrete Ansprechperson bei Ihrem Zulieferer bekommen und bauen Sie, wenn möglich, eine Beziehung zu dieser Person auf. Erläutern Sie, warum Sie die Daten brauchen und dass eine gute Zusammenarbeit bei der Datenlieferung die Geschäftsbeziehung langfristig stärkt. Sollten Sie negative Erfahrungen mit einem Zulieferer machen, können und sollten Sie Ihre Abteilungsleitung oder die Geschäftsführung darüber in Kenntnis zu setzen.
Sobald alle relevanten Informationen zusammengetragen sind, ist der nächste Schritt eine systematische Auswertung. Ziel ist es, zentrale Kennzahlen zu identifizieren und sichtbar zu machen, Trends abzuleiten sowie Erfolge und weitere Potenziale zu erkennen. Gleichzeitig zeigt die Auswertung, an welchen Stellen Daten noch fehlen oder unvollständig sind. So entsteht ein klarer Überblick darüber, wo Prozesse, Messmethoden oder interne Schnittstellen weiterentwickelt werden sollten. Eine verständliche grafische Darstellung der wichtigsten Ergebnisse erhöht zusätzlich die Aussagekraft des späteren Berichts und macht Fortschritte nachvollziehbar.

Am Ende kann es sich lohnen, die Auswertung intern oder extern validieren zu lassen. Während der Berichtserstellung kann zum Beispiel ein Kollege oder eine Kollegin oder Nachhaltigkeitsbeauftragte aus anderen Unternehmen als Sparringspartner dienen. Auch manche Rahmenwerke für freiwillige Berichte bieten Prüfungen an. Bei einem gesetzlich verpflichtenden Bericht sollte (beziehungsweise muss) eine externe Prüfungsgesellschaft den Bericht prüfen.
Klimawin BW
Mit dem Klimawin BW-Bericht steht Ihnen ein freies Format für die Darstellung Ihrer Daten zur Verfügung. Gewichten Sie selbst, welche Daten und Indikatoren Sie auswerten und besonders hervorheben möchten. Gleichzeitig haben Sie durch die jährliche Berichterstattung die Chance, bestehende Datenlücken kontinuierlich zu schließen. Verstehen Sie den Klimawin BW-Bericht als Protokoll Ihrer Entwicklung, indem Sie die Daten mit den Vorjahren vergleichen.
Treibhausgasbilanz (THG-Bilanz)
Bei Ihrer unternehmenseigenen Treibhausgasbilanz (THG-Bilanz) lohnt sich eine differenzierte Auswertung nach Scope 1, 2 und 3 sowie Emissionen je Standort, je Mitarbeitenden, je verkauftem Produkt oder je Euro Umsatz. Das macht Ihre THG-Bilanz über die Jahre vergleichbar. Setzen Sie sich außerdem zum Ziel, die Scope 3-Emissionen jedes Jahr umfassender zu erfassen. Das erhöht die Aussagekraft Ihrer THG-Bilanz.
Unabhängig des Anlasses für das Sammeln der Daten lohnt es sich, über die Daten auch zu berichten. Mit der Berichterstattung werden Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsengagement transparent. Folgende Fragen können bei der begleitenden Öffentlichkeitsarbeit helfen:

Klimawin BW
Veröffentlichen Sie Ihren Klimawin BW-Bericht und machen Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen (zum Beispiel via E-Mail) darauf aufmerksam. Insbesondere alle an der Erstellung beteiligten Personen werden sich freuen das Endergebnis zu sehen. Darüber hinaus machen Sie mit Ihrem Klimawin BW-Bericht auch gegenüber Ihren externen Stakeholder Ihr Nachhaltigkeitsengagement sichtbar. Nutzen Sie zum Beispiel die Möglichkeiten Ihrer Marketing-Abteilung und veröffentlichen Sie eine Pressemitteilung und einen Social-Media-Post.
Kundenanforderungen
Manche Ihrer Kundinnen und Kunden fordern von Ihnen vielleicht das Nutzen einer bestimmen Software oder Plattform für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (wie zum Beispiel EcoVadis, Integrity Next, Sphera oder osapiens). Die Art und Weise, wie Sie Bericht erstatten sollen, ist dann durch Ihre Kundschaft vorgegeben. Dennoch können Sie sich fragen: Welche Chancen ergeben sich aus den spezifischen Anforderungen für Ihr Unternehmen? Wo können Sie die Ergebnisse nutzen? Wie können Sie damit für Ihr Unternehmen werben?