Nutzung von Rezyklaten anstelle von Primärrohstoffen
Ausgangssituation
Ein kunststoffverarbeitendes Unternehmen setzt jährlich 200 Tonnen Polypropylen (PP) als Primärrohstoff ein. Zusätzlich fallen im Produktionsprozess rund 10 Tonnen Produktionsverschnitt an. Die Herstellung von Primärkunststoffen ist mit einem vergleichsweise hohen Energie- und Ressourcenaufwand verbunden und verursacht entsprechende Treibhausgasemissionen.
Im Rahmen der Maßnahme wird ein Großteil des Primärmaterials durch PP-Rezyklat ersetzt. Gleichzeitig wird der anfallende Produktionsverschnitt wieder in den Produktionsprozess zurückgeführt und erneut genutzt. Dadurch sinkt der Bedarf an neuem Primärmaterial, Materialkosten werden reduziert und die CO₂-Bilanz verbessert.
Berechnungsgrundlage
Status Quo:
- Einsatz von 200 Tonnen PP-Primärmaterial pro Jahr
- Zusätzlich 10 Tonnen Produktionsverschnitt pro Jahr
- Rohstoffkosten Primärmaterial: 0,74 €/kg
Maßnahme:
- Umstellung von PP-Primärmaterial auf PP-Rezyklat
- Aufbereitung und Wiedernutzung des Produktionsverschnitts
Annahmen:
- CO₂-Fußabdruck PP-Primärmaterial: 1,9 t CO₂e/t1
- CO₂-Fußabdruck PP-Rezyklat: 0,95 t CO₂e/t2
- Preis PP-Primärmaterial: 0,74 €/kg3
- Preis PP-Rezyklat: 0,70 €/kg3
- Investitionskosten Aufbereitungsanlage: 50.000 €
- Maschinenumbau und Prozesseinrichtung: 5.000 €
- Gesamtinvestition: 55.000 €
Einsparungen
| CO2 (pro Jahr) | |
|---|---|
| Alte CO2-Emissionen | 200 t * 1,9 t CO₂e/t = 380 t CO₂e |
| Neue CO2-Emissionen | 200 t * 0,95 t CO₂e/t = 190 t CO₂e |
| Ersparnis | 380 t CO₂e − 190 t CO₂e = 190 t CO₂e |
| Materialkosten (pro Jahr) | |
|---|---|
| Alte Materialkosten | 200.000 kg * 0,74 €/kg = 148.000 € |
| Neue Materialkosten | 190.000 kg * 0,70 €/kg = 133.000 € |
| Kosten Primärmaterial im Verschnitt | 10.000 kg * 0,74 €/kg = 7.400 € |
| Neue Gesamtkosten | 133.000 € + 7.400 € = 140.400 € |
| Ersparnis | 148.000 € − 140.400 € = 7.600 € |
| Materialeinsparung (pro Jahr) | |
|---|---|
| Alter Materialeinsatz | = 210 t |
| Neuer Materialeinsatz | = 200 t |
| Ersparnis | 210 t − 200 t = 10 t |
Investitionskosten und Amortisationszeit
- Gesamtinvestition: 55.000 €
- Amortisationszeit: 55.000 € / 7.600 € = 7,2 Jahre
Sonstiger Nutzen
- Verringerung des Einsatzes fossiler Rohstoffe
- Reduktion des Ressourcenverbrauchs entlang der Lieferkette
- Erfüllung steigender Kundenanforderungen hinsichtlich Rezyklatanteilen
- Unterstützung von Nachhaltigkeits- und Klimaschutzzielen
- Vorbereitung auf zukünftige regulatorische Anforderungen (z. B. Rezyklatquoten)
- Positive Außenwirkung gegenüber Kunden, Geschäftspartnern und Investoren
Hinweise
- Rezyklate können schwankende Materialeigenschaften aufweisen
- Nicht jedes Produkt ist technisch für hohe Rezyklatanteile geeignet
- Verfügbarkeit und Qualität geeigneter Rezyklate können marktbedingt schwanken
- Zusätzliche Prüf- und Freigabeprozesse können erforderlich sein
- Höhere Anforderungen an Qualitätsmanagement und Wareneingangskontrolle
- Bei stark schwankenden Rohstoffpreisen können sich die Kostenvorteile verändern
Best Practices
Gardena GmbH – Produktlinie mit recycelten Post-Consumer-Kunststoffen aus dem „Gelben Sack"
LAPP AG – Verpackungsoptimierung und Kreislaufwirtschaft
SÜDPACK Verpackungen GmbH & Co. KG – Wir schließen Kreisläufe
ARNO Group – Nachhaltigkeitsbericht 2024
Quellen
| 1 | Plastics Europe: https://plasticseurope.org/ (zuletzt abgerufen am 01.06.2026) |
| 2 | Fraunhofer UMSICHT: https://www.umsicht.fraunhofer.de/ (zuletzt abgerufen am 01.06.2026) |
| 3 | plasticker: https://plasticker.de/preise/ (zuletzt abgerufen am 01.06.2026) |